
Revitalisierung eines denkmalgeschützten Bürocampus zum gemischt genutzten Stadtquartier
Der Tucherpark ist eines der größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte in München und wird von Hines gemeinsam mit Commerz Real bzw. dem Immobilienfonds hausInvest entwickelt. Das Areal liegt zwischen dem Englischen Garten, dem Eisbach und der Isar im Stadtteil Schwabing/Tivoli und umfasst rund 14–15 Hektar Fläche.
Historisch wurde der Tucherpark ab Ende der 1960er-Jahre als Verwaltungs- und Technikcampus der Bayerischen Vereinsbank nach einem städtebaulichen Konzept von Sep Ruf entwickelt. Viele der Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz beziehungsweise Ensembleschutz.
Das Ziel der aktuellen Entwicklung ist die Transformation des früher eher abgeschlossenen Bürocampus in ein offenes, gemischt genutztes Stadtquartier („Eisbachviertel“). Geplant sind moderne und nachhaltige Büroflächen, Wohnnutzung, Gastronomie, Freizeitangebote sowie öffentlich zugängliche Grün- und Aufenthaltsbereiche.

Über das Projekt: Tucherpark, München
EIS 4 wird Kubus
Das Bestandsgebäude „Am Eisbach 4“ – kurz EIS 4 wurde 1969 vom Architekten Sep Ruf als Büro- und Rechenzentrum für IBM entworfen. Das Projekt EIS4, zukünftig Kubus, genannt, ist eines der zentralen Bestandteile der Revitalisierung des Eisbachviertel. Zu den wesentlichen Maßnahmen gehören die Planung der Aufstockung, bei dem das bestehende zurückversetzte Technikgeschoss im 8. OG zurückgebaut und durch ein neues Staffelgeschoss mit darüberliegendem Technikgeschoss ersetzt wurde. Die Ausführung erfolgte in einer Hybridkonstruktion, bei der der Kernbereich bis zur inneren Stützenreihe im 8.OG und 9.OG aus Stahlbeton besteht und im äußeren Bereich als leichte Stahlkonstruktion mit Stützen und Trägern und einer darauf liegen Brettsperrholzdecke ausgeführt wurde.
Des Weiteren wurde die Ertüchtigung der defizitären Flachgründung mit oben liegendem Trägerrost erforderlich, sowie die Tiefgarageninstandsetzung auf Grund von erhöhtem Chlorideintrag über die Zeit. Beide Maßnahmen wurden bauablauftechnisch kombiniert betrachtet und mittels temporärer Abstützmaßnahmen der Stützen und Außenwand im Pilgerschrittverfahren ausgeführt. Der Trägerrost wurde durch seitliche Aufdopplung mittels ergänzter Stahlbetonbalken verstärkt, während die Chloridinstandsetzung im konventionellen Verfahren mit HDW-Abtrag erfolgte. Zusätzlich wurden für die Umnutzung vom Single- Tenant- zum Multi-Tenant-Gebäude neue Decken- und Wanddurchbrüche geplant, um die Erschließung aller Fläche durch eine energetische und moderne Gebäudetechnik zu gewährleisten.
VTO
Die Revitalisierung des Büroensembles VTO Nord/Süd im Münchner Tucherpark umfasst eine umfassende Modernisierung der in den 1970er‑Jahren errichteten Bestandsgebäude. Die Maßnahmen erstrecken sich über mehrere Planungs- und Ausführungsphasen der Leistungsphasen 1 bis 5 und dienen der Anpassung des Gebäudekomplexes an zeitgemäße Anforderungen für Büro-, Co‑Working- und Interimsnutzungen. Dabei wird der bestehende Bestandsschutz mit einbezogen und bereits genehmigte Abweichungen werden in die Planung integriert. Ziel ist es, die Sicherheit im Gebäude zu gewährleisten und zugleich flexible, moderne Nutzungskonzepte im Rahmen der technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen umzusetzen.
Angepasst an aktuelle Mobilitätsanforderungen werden im Gebäude eine hohe Anzahl an Fahrradstellplätzen geplant. Hierzu wird eine neue Zufahrtsrampe ins Untergeschoss ausschließlich für Fahrradfahrer geplant. Auch der zentrale Eingangsbereich wird umgestaltet und erhält eine neue Foyer-Treppe. Später ergänzte Erweiterungsbauten werden rückgebaut und durch eine neue Fassadengestaltung im Eingangsbereich wieder mehr an die ursprüngliche Architektur angelehnt. Durch die Tiefgaragensanierung stehen weiterhin viele Parkplätze für das VTO und den gesamten Tucherpark zur Verfügung.
VTW3
Bei der vorliegenden Baumaßnahme handelt es sich um den Umbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes VTW3 im Tucherpark in München. Das Gesamtgebäude wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet und Ende der 1980er Jahre aufgestockt und teilweise umgebaut. Es besteht aus drei Teilen (VTW3a – Kleeblatt, VTW3b – Casino und Technikzentrale) sowie aus einer zweigeschossigen unterirdischen Tiefgarage. Nach dem aktuellen Umbau sollte das Gebäude wieder als Büroimmobilie genutzt werden.
Betoninstandsetzung der Tiefgarage des VTW3
Für die Sanierung der Tiefgarage VTW 3 wurden umfangreiche Bauwerksuntersuchungen, digitale Bestandserfassungen und Schadenskartierungen durchgeführt. Im Fokus standen insbesondere die durch Tausalzbeanspruchung geschädigten Sockel-, Wand- und Bodenbereiche sowie die Bewertung des vorhandenen Gefälleestrichs. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse wurde ein Instandsetzungskonzept für eine konventionelle Betoninstandsetzung entwickelt. Ergänzend erfolgten planungs- und bauausführungsbegleitende Fachberatungen und Qualitätssicherungsleistungen während der Betoninstandsetzung.
Darauf aufbauend erfolgte die Ausführungsplanung der Betoninstandsetzung. Aufgrund der hohen Lasten im Bauzustand wurde für die Instandsetzung der Stahlbetonstützen eine komplexe, vorgespannte Abstützung mit Stahlstützen vorgesehen.
Brandschutz für das Gesamtareal des Tucherparks
Für das Gebäude wurde ein schutzzielorientierte Brandschutzplanung unter Würdigung des Bestandes entwickelt. Die Brandausbreitung wird durch bauliche (feuerwiderstandsfähige Decken und Wände) sowie technisch (Sprinkler) verhindert. Für die Flucht- und Rettung stehen ausreichende baulichen Rettungswege (Treppenräume) zur Verfügung. Weiter ist das Gebäude direkt vom öffentlichen Straßenraum für die Feuerwehr erreichbar. Das Zusammenspiele von baulichen, technischen und abwehrenden Maßnahmen stellt einen ausreichenden Personenschutz, aber auch Sachschutz sicher.
Bauwerksuntersuchungen
Grundlegend für viele der genannten Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen ist die Kenntnis über den IST-Zustand der Bauwerke. Unzureichende Bestandsunterlagen und nicht dokumentierte Änderungen erforderten nähere Untersuchungen. Dazu gehören zerstörungsfreie Methoden wie großflächige Bewehrungsdetektionen (radargestütztes Verfahren) und Betondeckungsmessungen (magnetisch-induktives Verfahren) sowie zerstörende Methoden wie die Entnahme von Bohrkernen zur Bestimmung der Betondruckfestigkeit. Für die Zustandserfassung reicht dagegen meist Hammer, Leiter und eine gute Taschenlampe.

| Bereich | Hochbau, Brandschutz |
| Bauherr | Hines Immobilien/Projektgesellschaften |
| Standort | München |
| Architekten | almannwappner GmbH (EIS4)
Snohetta Studio Innsbruck ZT GmbH (VTO) |
| Leistungen | Tragwerksplanung LPH 0-5, 8 gemäß HOAI Brandschutztechnische Begleitung Brandschutznachweis gemäß § 11 BauVorlV Bauwerksuntersuchung Objektplanung Tiefgaragen Instandsetzung Bauen im Bestand |
| Projektzeitraum | 2023 – in Ausführung |
| BGF | 60.000 m2 |
| Gesellschaft | ZM-I München GmbH |


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